Kontaktdaten zur Basis
Tauchstation Aquapark, Moosburg b. München
by Eva Maria Reiter • 01. Oktober 2003

Eher zufällig haben wir von einem kleinen Baggersee im Münchner Norden erfahren – und da das letzte schöne Wochenende für dieses Jahr prophezeit worden war, wollten wir uns die Gelegenheit, diesen See zu erkunden, nicht entgehen lassen.

Die Anfahrt zur Tauchstation Aquapark ist unproblematisch: die A9 von Nürnberg nach München und am Kreuz Neufahrn auf die A92 Richtung Deggendorf. Am Flughafen vorbei und bei der Ausfahrt „Moosburg Süd“ ausfahren – 2 x nach rechts und schon steht man fast auf dem riesigen Parkplatz zum Baggersee – die Zufahrt zur Tauchbasis ist am Ende dieses Parkgeländes.
Die Tauchbasis selbst ist leider noch ein Provisorium: untergebracht in Containern in unmittelbarer Nähe zur Wasserwacht, aber mit direktem Zugang zum See und – und das ist ein echter Pluspunkt: hier sind Taucher unter sich: Badegäste tummeln sich nämlich am anderen Ende des kleinen Sees. Es gibt jedoch schon Pläne, das Gelände auszubauen, Gebäude für Shop, Füllstation etc. zu errichten – und ein nicht unwesentlicher Teil des Ganzen (nämlich die Toiletten!) ist schon im Rohbau zu besichtigen. Wir sind also recht hoffnungsfroh, nächstes Jahr hier eine tolle neue Basis vorzufinden.

Aber auch als Provisorium ist alles da, was gebraucht wird: Ausrüstungs- und Flaschenverleih, Füllanlage, Getränkeservice und für den, der´s mag: auch ein Grill, der den Gästen zur Verfügung steht. Mit Erfindungsgeist und Kreativität wird mit einem einfachen Metallwinkel im Baum schnell eine umfangreiche Aufhängemöglichkeit für die nassen Anzüge geschaffen, und auf die weiße Containerwand wurde eine sehr detaillierte und nützliche Tauchplatz-Skizze aufgemalt!

Bemerkenswert ist die „Tauchplatz-Ausstattung“ – die Tauchstation hat sich offensichtlich erst mal um´s Wesentliche gekümmert: eine komfortable Steganlage bietet einen idealen Einstieg! Und mehrere Plattformen auf verschiedenen Tiefen können zu Übungen und Ausbildung genutzt werden. Die Basis bildet übrigens nach PADI aus - will aber in Kürze parallel auch CMAS anbieten. Das Team um Wolfgang Weidner, allen voran Gunnar, der uns prächtig betreut hat, vermittelt den Tauchschülern und Tauchgästen, dass hier viel Spaß zu erleben ist, aber Sicherheit und Sorgfalt ganz groß geschrieben werden. Offensichtlich im Rahmen einer Ausbildung konnten wir zufällig Zeuge eines Buddy-Checks werden, wie wir ihn so akkurat selten erlebt haben! Und auch auf Solo-Taucher wurde immer ein wachsames Auge gehalten ... .

Der Baggersee selbst erstreckt sich von Nord nach Süd, was die Orientierung sehr erleichtert – oder erleichtern würde. Denn leider hatten wir diesmal Sichtverhältnisse, die mehr den Tastsinn in Anspruch nehmen: 1 – 2 m. Ausgebaggert wurde und wird nämlich immer noch Isar-Kies im nahegelegenen Kieswerk – und dies ist auch eine Ursache dafür, dass die Sicht in diesem netten kleinen Tauchgefilde nicht immer so optimal ist. Außerdem wird der See Grundwasser-gespeist, so dass die Wettersituation weit in der Region einen durchaus zu berücksichtigenden Einfluss auf die Klarheit des Wassers und damit die Sichtweiten haben kann. Also die Empfehlung an alle, die weitere Anfahrtswege haben: erstmal anrufen und nach den Sichtweiten fragen!

Die Temperatur war mit ca. 16° durchaus erträglich. Bei Tiefen bis zu 30m und Tauchzeiten von ungefähr 45 Min. ist derzeit noch nicht unbedingt ein Trocki erforderlich! Aber egal ob mit Neopren oder Trilaminat: gelohnt hat sich´s allemal: von der Steganlage mit einem großen Schritt rein und dann den Leinen nach auf die verschiedenen Plattformen abtauchen, unter korrekter Einhaltung des Kompaßkurses (Containerwand!) einen Bogen zurück schlagen, und dann: die Steilwand! Eine kolossale Steilwand aus Sand und Kies taucht plötzlich vor uns auf – übersät mit Hunderten kleiner Muscheln. Unglaublich, welche Filtrierleistung diese kleinen Tierchen vollbringen: im direkten Steilwandbereich war das Wasser bis auf einen Meter richtig klar! Mit 130 bar wieder weiter Richtung Tauchstation zurück und suchen, suchen, suchen. Aber erst, als wir schon aufgeben wollten, haben wir sie zwischen Wasserwacht und Tauchstation, auf ca. 3 m gefunden: kleine Krebse, die wie gute Nachbarn in ihren Höhlen beieinander hocken und vorsichtig ihre Scheren zu den Eingängen herausschauen lassen, 3, 4, 6 ... dicht an dicht! Allerdings waren diese Krebse neben einem kapitalen Karpfen und einigen Saiblingen und Forellen auch schon das einzige, was wir hier an Tieren angetroffen haben. Kein Wunder, der Unterwasserbewuchs ist nicht grade üppig! Aber die Krebse, die sind einzigartig!

Und wenn wir das nächste mal wiederkommen, werden wir wieder nach ihnen Ausschau halten ... !


Was uns gut gefiel:
· Die fast schon familiäre Atmosphäre! Wer mochte, konnte sehr schnell Anschluss finden und mit anderen Tauchern fachsimpeln.

Was wir uns anders wünschen würden:
· Eine etwas längere Leiter am Steg, die für die nicht ganz so gelenkigen Taucher die Kletterei zurück auf den Steg sehr erleichtern wird!
· Und grade für Taucherinnen: Bitte schleunigst die Toiletten fertig stellen ... !

6 von 6 Nautili

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