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Baracuda, Safariboot, Marmaris
by Eva Maria Reiter • 11.11.2005

Unsere diesjährige Oktober-Tauchreise führte uns einmal nicht nach Ägypten, sondern an die türkische Riviera – eine Region, die mit mittleren Tageswerten von immer noch 28° und Wassertemperaturen von 25° gerade zu dieser Jahreszeit sehr attraktiv ist.
Und soviel gleich vorneweg: für mich war diese Tauchreise die schönste, die ich bisher erlebt habe, weil wahrscheinlich auch die abwechslungsreichste und ursprünglichste.
Wie immer wurde diese Reise von unserem Tauchclub, der Tauchschule und Tauchreiseveranstalter „Wasserwurm“ (www.wasserwurm.de) organisiert. Unser Tauchlehrer Ed Nestmeier buchte über die Barakuda Touristik bei der Barakuda Düsseldorf das Segelschiff „Baracuda“ für 16 Personen, für eine Woche von Samstag bis Samstag.
Die Flugreise wurde über Condor gebucht und von Lufthansa durchgeführt. Und schon am Flughafen Frankfurt konnten wir uns im ersten Stress bewähren, als es beim Security Check hiess: Brenner der Tauchlampen ausbauen. Kaum waren wir damit fertig, erreichte uns die Nachricht, dass Condor die Verantwortung für die Tauchlampen übernehmen würde (wie uns vorher zugesichert war) – doch da war´s schon zu spät.
Die weitere Anreise vom Flughafen Dalaman mit dem Bus nach Marmaris, wo wir uns einschiffen würden, kann nur als „lebhaft“ bezeichnet werden. Der Busfahrer scheint schon mehrere deutsche Gruppen befördert zu haben, denn kaum hatten wir Dalaman verlassen, hielt er auch schon an einer Tankstelle mit Supermarkt an: „Birra!“ (An dieser Stelle muss unbedingt das türkische Efes-Pils lobend erwähnt werden!) Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt – in denen wir schon befürchteten, den Bus die steilen Berge hinauf schieben zu müssen, weil die Temperaturanzeige bedenklich leuchtete! – kamen wir in Marmaris an.
Welche Überraschung, dass hier aber nicht die „
Baracuda“ auf uns wartete, sondern die „Kaptan Askan I“ – ein typisches „Blaue Reise“-Segelschiff, das mit Sicherheit nicht für 16 Passagiere, sondern wohl nur für 8 – 12 Gäste ausgelegt ist. Aber auf dem Hinterdeck war der Tisch schon fast gedeckt und so sollte uns das nicht verdrießen – bis ein gewaltiges Gewitter begann, das von Samstag nacht bis Sonntag Mittag mit heftigem Regen andauerte. Warum ich das erzähle? Nun, nur die wenigsten hatten das Glück in trockenen Betten zu schlafen, bei fast allen lief das Wasser zu allen möglichen Ritzen in die Zimmer, durchnässte die Betten und das Gepäck, in manchen Kabinen stand das Wasser knöcheltief. Aber die Mannschaft von Kaptan Askan war sehr bemüht: als sich wieder die türkische Sonne zeigte, wurden die Matratzen aufs Vorderdeck zum Trocknen gebracht und die Bettwäsche an die Leinen gehängt, die Handtücher, mit denen wir das Wasser aus den Kabinen gewischt hatten, wurden gewaschen und flatterten im Wind – was solls? Die Sonne schien, endlich war der erste Tauchgang angesagt!

Am Mittag war der Dive Guide Ça_daº Oralkan an Bord gekommen, zusammen mit dem türkischen Agenten der Barakuda Düsseldorf. Damit konnten wir grundsätzlich in 2 Gruppen tauchen, doch wie sich später herausstellte, tauchten wir fast nur mit dem Guide in einer Gruppe.
Ça_daº, ein dunkelblonder (!) Türke, war außerordentlich nett! Er erzählte uns, er hätte wohl schon an die tausend Tauchgänge gemacht, und wie wir dann von ihm erfahren haben, ist Tauchen sein Ein-und-Alles. Bei den Tauchgängen war er als erster im Wasser und achtete dann stets darauf, dass alle Buddy-Teams beieinander waren und sicher abtauchten. Er tauchte voran, und vergewisserte sich auch immer wieder, dass die Gruppe noch beieinander war. Vor dem Auftauchen wurde auch - wenn irgend möglich - eine lange Strecke zum Austauchen gewählt, so dass fast immer auf einen Sicherheitsstopp verzichtet werden konnte. Aber etwas anders tauchen die Türken doch: Kaum ein Tauchgang wurde mit weniger als 30 m Tiefe durchgeführt – obwohl vorher vereinbart war, dass dies die Max-Grenze sei. Und kaum ein Tauchgang wurde dementsprechend mit mehr als 30 bar beendet – was nicht wirklich an einem zu hohen Luftverbrauch lag. Und was wir in unserer Gruppe gar nicht mögen: es scheint aber genügend Tauchgäste zu geben, die es mögen: Egal ob Seeigel, Tritonshorn oder Oktopus, jedes Tier, das nicht schnell genug das Weite suchte, wurde in die Hand genommen und uns zur genauen Begutachtung weitergereicht – das muss nicht sein! Aber ganz ehrlich: es war schon ein recht denkwürdiges Ereignis, die ledrige Oktopushaut zu streicheln oder zu fühlen, wie sich ein Seeigel in der Handfläche festhakt!
Ein Tauchboot begleitete uns bei unserer Fahrt in westlicher Richtung entlang der türkischen Ägäisküste, die außer Felsen, Gestrüpp, einzelnen Ziegen und halbwilden Eseln nicht wirklich viel zu bieten hat. Zum Flaschenfüllen begab sich das Tauchboot stets in eine andere Bucht, oder zumindest in einige Entfernung von unserem Schiff, damit wir nicht vom Kompressorenlärm belästigt wurden. Zudem konnten wir Tauchplätze, an denen wir nicht direkt mit unserem Schiff ankern konnten, dann mit dem kleinen Tauchboot anfahren, das uns auch bei einzelnen Tauchgängen wieder bei unserer Aufstiegstelle aufsammelte und zurückbrachte.
Die Tauchgründe selbst sind natürlich mit der Farbenpracht und dem Fischreichtum des Roten Meeres nicht zu vergleichen. Ja sogar, wer andere Ecken des Mittelmeers betaucht hat, mag etwas enttäuscht sein: Kaum Korallen, einige Schwämme, vor allem algenbedeckte felsige Untergründe, etliche Muränen, Schwärme von Mönchsfischen, Goldstriemen, Brassen, sonst aber relativ wenig Fischsuppe, dafür Leopardenschnecken und unzählige Feuerwürmer – und überall: zahlreiche antike Amphoren, als wären gestern erst römische Galeeren hier untergegangen!
Kapitän Ali Askin und seine beiden Matrosen mussten auf der Bank im Essraum schlafen, die Diveguides in Schlafsäcken auf dem Vorderdeck. Die Toiletten rochen teilweise sehr streng, und bevor die Spülung betätigt werden konnte, musste erst mit der Duschbrause Wasser nachgefüllt werden. Warmwasser war nur nach vorheriger Anmeldung zur Verfügung, 220Volt-Strom auch nur sehr begrenzt.
Und trotz all dieser Unannehmlichkeiten war es eine tolle Reise. Wenn die einzige Anstrengung darin besteht, vom Frühstückstisch zum Vorderdeck zu krabbeln um sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, und nach dem Tauchgang sich aus dem Anzug zu schälen, um die Butterkekse und den feinen, heißen türkischen Tee zu genießen, dann ist das per se schon Erholung pur.
Wenn aber dann die Mannschaft, gleich ob eigene Tauchgruppe, Bootsbesatzung oder Tauchguides stets gut gelaunt und sehr freundlich ist, das Essen einfach spitze und reichhaltig ist, die Sonne heiss von einem strahlend blauen Himmel scheint, dass Meer glatt wie ein Babypopo daliegt – Taucherherz, was willst Du mehr
4 von 6 Nautili

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