Kontaktdaten zur Basis
Club Leo Lagrange , Camaret Sur Mer (Bretagne)
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Andreas Holler • 29. August 2012 • CMAS***, 390 TG

“Pors Naye, 14.09.81“ – so lautet der allererste Eintrag im Tauch-Logbuch. Abgestempelt von Marcel Collon, einem Moniteur National der „Federation Francaise d’Etudes de Sports Sous-Marins“ im „Centre de Plongée International LEO LAGRANGE“ in Camaret-sur-Mer in der Bretagne. Ein 30-jähriges Taucherjubiläum ist durchaus die Erinnerung an die Tauchbasis wert, mit der man die ersten Erfahrungen mit der Unterwasserwelt gemacht hat. Also Grund genug, die diesjährige Urlaubstauchreise in den Norden Frankreichs zu unternehmen.

Das Tauchcenter Léo Lagrange ist kein Tauchcenter im eigentlichen Sinne. Es ist ein Club, der sowohl Unterkunft für Einzelreisende, Familien, und Gruppen bietet, als auch zahlreiche Wassersportmöglichkeiten offeriert: insbesondere Segeln und eben auch Tauchen. Während die Clubräumlichkeiten mit angeschlossenem Campingplatz sich oberhalb des Hafens befinden, verfügt Club Léo auch über eine eigene Wassersportbasis direkt am Quai Téphany. Die recht informative Website ist auch in deutscher Sprache verfügbar, da Club Léo in der Jugendausbildung und im Schüleraustausch aktiv ist – und hier besonders auch mit deutschen Schulen verschiedene Programme anbietet. So sprechen auch viele Basenangestellte deutsch und zur Hauptreisezeit sind auch deutsche Tauchlehrer vor Ort.

Club Léo bietet reguläres Tauchen für Einzelreisende nur im Juli und August an. Die täglichen Ausfahrten finden von Montag bis Samstag statt und benötigen eine vorherige Anmeldung. Zu anderen Jahreszeiten – von April bis November – sind meist Gruppen vor Ort, und mit Glück ist es möglich, bei einem geplanten Gruppentauchgang mitzutauchen.

Wichtig ist dabei die Ausbildung der Taucher - je nach Niveau der angemeldeten Taucher werden diese auf eines der drei Boote dirigiert. Denn vom Leiter des Tauchgangs werden die Tauchplätze ausgewählt und die Boote fahren entsprechend der taucherischen Erfahrung und Könnens der Tauchgäste dann ganz andere Tauchplätze an. Die Klientel setzt sich erfahrungsgemäß aus überwiegend Franzosen, Deutschen, aber auch Belgiern und Schweizern zusammen, die fast ausschließlich CMAS-Taucher sind, was die Einordnung der Niveaus erleichtert. Dem Niveau sind dann auch die Preise geschuldet, so dass erfahrene 3-Stern-Taucher recht viel günstiger tauchen können als vergleichbare 2-Stern-Taucher.
Die Basis besitzt neben den für die Ausbildung erforderlichen Räumlichkeiten auch recht große Umkleideräume mit verschieden großen Schließfächern (wer kein eigenes Vorhängeschloss mitbringt, der kann es beim nahegelegenen Super-U besorgen) und – welch ein Luxus – über mehr als ein Dutzend heiße (und das heißt wirklich: heiße) Duschen. Es stört niemand, wenn man sich nach dem Tauchgang sogar mit dem ganzen Gerödel drunter stellen mag. Die Tauchausrüstung selber kann zwischen den Tauchgängen in einem großen, gelüfteten und auch geheizten Trockenraum auf langen Stangen mit Plastikbügeln aufbewahrt werden. Leihausrüstung ist mannigfach vorhanden – und wie jeder sehen kann – in Top-Zustand.

Ausfahrten finden – je nach Wetterlage – zweimal am Tag, um 9 Uhr und um 14:30 Uhr statt. Es empfiehlt sich, eine halbe Stunde vor Abfahrt in der Basis zu sein, sich gemütlich anzurödeln und mit voller Montur dann die Flaschen von der Basis die Rampe hinab zur Anlegestelle zu bringen, wo die entsprechenden Tauchboote warten. Eine Tafel in der Basis informiert vorher jeden Taucher für den aktuellen Tag, auf welchem Boot er mitfährt. Die Anfahrten dauern je nach Tauchplatz von 10 Minuten bis zu einer Stunde – wer also zwischendurch was trinken möchte, sollte selbst eine Tasche mit Verpflegung an Bord nehmen. Auch eine Mütze kann nicht schaden – der Wind kann recht heftig werden.

Wer zum Tauchen auf die Crozon-Halbinsel kommen will, findet hier eine sehr reizvolle Gegend vor: Der kleine Hafenort Camaret-sur-Mer liegt an der Spitze des mittleren der drei Halbinsel-Finger. Der Hafen ist geschützt durch einen gewaltigen Deich, auf dem eine alte bretonische Kirche und ein malerischer Turm vom Festungsbauer Vauban die Hafeneinfahrt markieren. Die Tide präsentiert erstaunliche Ansichten zu Flut und zur Ebbe, wenn Höhenunterschiede von mehreren Metern das Bild des Hafens beachtlich verändern. Camaret liegt inmitten eines Meeres- und Naturparks. So verwundert nicht, dass sich die wilden, von lila Heidekraut überwachsenen Klippen auch unter Wasser in faszinierenden Landschaften und Flora fortsetzen.

Tauchen ist allerdings sehr vom Wetter abhängig: Das Wetter wechselt hier innerhalb kürzester Zeit von strahlend blauem Himmel zu wolkenverhangenem Himmel und Windböen. Die Wellen können dann so heftig und die Strömung so stark werden, dass selbst gestandene Taucher nicht 10 Sekunden das Ankerseil loslassen dürfen, wollen sie nicht abgetrieben werden.

Dementsprechend bietet Club Léo eine Vielzahl an Tauchplätzen an, um diesen Bedingungen zu entgegen – seien es wunderbare Unterwasserfelsen, seien es gar Wracks. Die Felsen leuchten oft in der Farbe der darauf wachsenden Schmuckanemonen. Felsgrund und Sandflächen wechseln einander ab. Hornkorallen, Fächerkorallen, Seemannshände, große Schwämme, Grün- und Braunalgen gestalten das Bild. Die langen Laminarien bilden Wälder, in denen sich viele Fische verbergen und zwischen den wunderbar hindurchgetaucht werden kann. Schalentiere sind bei fast jedem Tauchgang zu finden: Hummer, Langusten, Krebse aller Art. Aber auch Heringskönige und dicke fette Conger - überhaupt sind an den Wracks meist große Fischschwärme anzutreffen … die Unterwasserfauna und –flora ist beeindruckend! Ein völlig anderes Tauchen als im Mittelmeer, eine submarine Welt, die vom Atlantik geprägt ist.

Camaret ist unbedingt eine Tauchreise wert! Es wäre schade, noch mal 30 Jahre darauf zu warten!

5 von 6 Nautili

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