Grevelinger Meer, Zeeland
by: Eva-Maria Reiter • 06. Oktober 2007

Grevelinger Meer, Zeeland, Niederlande

Als wir unseren Freunden und Bekannten davon erzählten, in Holland tauchen gehen zu wollen, wollten sie es kaum glauben: „Was, in Holland wollt Ihr tauchen? Wo geht denn das?“ Dabei ist Holland doch für seine Größe mit außerordentlich viel Wasser gesegnet!

Anlass war ein Geschäftstermin am Montag in Holland, was also lag näher, als gleich das ganze Wochenende dort zu verbringen. Über das Internet konnten wir in Erfahrung bringen, dass für Anfänger das Greverlinger Meer mehr geeignet ist, als die anderen Seengebiete, weil hier die Deiche geschlossen sind und so keine Gezeiten mehr auftreten.

Tauchen in Holland ist unproblematisch – es gibt wohl kein Verbot für Tauchplätze (es sei denn natürlich, es wären ausgewiesene Schutzzonen). Man braucht keine Lizenz oder Erlaubnis jeglicher Art und kann quasi rund um die Uhr tauchen gehen. Aber der Nachweis von ärztlicher Tauchtauglichkeitsbescheinigung, Brevet und Logbuch muss aber trotzdem als obligatorisch betrachtet werden.

Über das Internet wurden wir auch auf einen Tauchshop aufmerksam, der dann zu unserer Tauchbasis wurde: das Dolphins Dive Centre in Brouwershaven auf der Insel Schouwen-Duiveland. Wir waren beeindruckt von der Freundlichkeit und dem Service dieses Tauchladens: Neben unglaublich schnellen und vergleichsweise billigen Flaschenfüllungen (wir hatten unsere eigene Ausrüstung dabei), gab es kostenlosen Kaffee und Wetterinformationen über das im Laden befindliche Internet-Terminal. Im Laden selbst gibt es eine unendlich große Auswahl an Tauchequipment und Sportkleidung. Und nicht zuletzt konnten wir hier auch eine Karte vom Zeeland erstehen, in der die Tauchplätze bereits eingezeichnet waren, so dass wir sie ohne Mühe finden konnten.

Im Zeeland gibt es wohl rund 70 ausgewiesene Tauchspots – wir entschieden uns zum Kennenlernen für die Tauchplätze rund um Brouwershaven. Unser Tauchplatz am zweiten Tag wird „Het Gemaal van Dreischor“ genannt. Der Deich zieht sich mit etlichen Metern Höhe am Ufer entlang und ist immer wieder von Treppen durchbrochen, die über den Deich direkt ins Wasser führen. Die Tauchplätze selbst sind entsprechend beschildert, und was wir feststellen konnten, sind Parkplätze jeweils vorhanden. Das bedeutet, am Auto umziehen, alles einsperren und dann angerödelt über den Deich steigen – hier macht sich Kondition bezahlt! Beim Abstieg über den Deich heißt es aufpassen, da die Treppen und Steilflächen recht rutschig sein können.

Im Wasser stellten wir fest, dass die Sicht sich auf 2 – 4 Meter beschränkt. Unsere Erwartungen waren ohnehin nicht besonders groß, aber damit reduzierten sie sich gegen Null!

Kaum abgetaucht dagegen, blieb uns fast die Luft weg: Das Grevelinger Meer soll Tiefen von bis zu 40 Meter ausweisen, und wir gingen auch kurz auf 12 Meter tief, nur um sofort wieder auf 4 bis 5 Meter auf zusteigen. Es war nicht erforderlich, um nicht zu sagen, es wäre geradezu dumm gewesen, tiefer zu gehen! Denn auf dieser geringen Tiefe tobte das Leben! Noch nie haben wir so viel Tier auf einmal gesehen! Es wimmelte nur so von Krabben, Krebsen, Hummern, Garnelen – aber auch Seespinnen konnten wir ausmachen, Grundeln, Petermännchen, Seescheiden, Seenelken, Miesmuscheln, Schnecken – die Flora und Fauna ist so unglaublich vielfältig und überbordend, wie sie ein Warmwassertaucher niemals an der Nordsee erwartet hätte. Selten haben wir es so bereut, unsere Unterwasserkamera nicht dabei zu haben! Ein Eldorado für Makrofotografen!

Eines ist klar: Das war unser erstes Holland-Tauchwochenende, aber nicht das letzte. Gleich nächstes Jahr im Frühsommer müssen wir wieder her!


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