Marriott Wreck, Mirbat, Oman
by: Eva-Maria Reiter • CMAS** 320 TG
10. Januar 2016

Marriott Wreck, Mirbat - Oman

Das Marriott Wrack – was für ein alberner Name: ein Wrack nach einem Hotel zu benennen. Aber nun ja, wie sonst soll es heißen, wenn doch niemand etwas darüber weiß? Keiner kann sagen, wie alt es ist, wo es herkommt, oder wie lange es schon hier vor Ort versunken ist. Also ist der Name dann doch gar nicht so verkehrt, denn so sagt er wenigstens, wo dieses Wrack zu finden ist: nämlich nur wenige Minuten vom Marriott Resort in Mirbat entfernt, tatsächlich in Sichtweite von diesem Hotelkoloss, der hier allein inmitten der sandigen Küste steht.

Die Tauchbasis Extra Divers, jetzt in Mirbat beheimatet, fährt das Wrack mit dem Tauchboot in weniger als 20 Minuten an. Das Wrack ist mit einer Boje gekennzeichnet. Selten gibt es Strömung hier, aber dennoch empfiehlt es sich, an der Bojenleine hinab zu sinken und sich so ganz auf die sich mit jedem Meter mehr offenbarende Wunderwelt einlassen zu können.

Das Wrack – oder halt das, was davon übrig ist – liegt keine 15 Meter tief. Die Sichtweiten betragen wie so oft im Oman aufgrund der vielen Schwebteile im Wasser kaum mehr als ca. 10 Meter. Und so lässt sich erst beim Herabsinken die Größe des Wracks erkennen. Der Rumpf ist noch recht gut erhalten, aber im Großen und Ganzen ist es auseinandergebrochen und liegt in vielen Einzelteilen über eine große sandige Fläche verstreut. Die Teile sind wunderbar bewachsen und bieten Lebensraum für viele kleine und große Lebewesen. Viele Fische, unglaublich viele Fische drehen elegant ihre Kreise über dem Wrack: Füsiliere, Schnapper … wie bunte Wolken schweben sie über den mit Korallen überwucherten Schiffsteilen. An manchen Stellen strecken Muränen ihre Köpfe aus ihren Behausungen. Ein Blaupunktrochen liegt auf dem Sandboden und ignoriert beharrlich die Aufdringlichkeiten der Taucher, dreht sich aber dann doch mit wedelnden Bewegungen um und verlässt das Terrain. Ein Einsiedlerkrebs versucht sich unsichtbar zu machen und drückt sich tiefer zurück in sein Zuhause.

Und darüber immer wieder Schwärme von Fisch, majestätisch elegant, ruhig und völlig unaufgeregt, so viel Fisch, dicht wie eine Wand, als wenn das der einzige Platz unter Wasser wäre, wo zu sein sich lohnt, eine lebende Fischsuppe – und wir selber mittendrin.

Die niedrige Tauchtiefe erlaubt ein langes Verweilen und doch nicht lange genug. Nur widerwillig steigen wir auf … und nur versöhnt mit der Aussicht auf einen neuerlichen Tauchgang zum Marriott Wrack und die friedliche Welt hier unten.

6 von 6 Nautili


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